Ins Hostel ließ ich mich plus zwei Rucksäcke diesmal von einem Motorradfahrer transportieren. Ich hatte nicht viel Zeit, da ich mich gleich wieder auf den Weg zurück nach Yangdixiang begebe. Von dort aus wollte ich zu Fuß nach Yangshuo, rund 40km. Das Wetter war alles andere als schön. Regen und wolkenverhangene Berge prägten den Tag. In Yangdixiang (Lila Strecke) wird man vom Busfahrer direkt am Li Fluss bei den Bambusflößern abgesetzt. Leider muss man auf dieser Strecke zwei Mal übersetzen, was die Jungs finanziell natürlich auszunutzen wissen. Man sollte sich auf jeden Fall etwa eine halbe Stunde Zeit zum verhandeln nehmen.

Zwischen imposanter Karstlandschaft raste mein Floß zu einem der Strände 500m weiter. Von dort musste ich mich zu Fuß auf einer Art Kaimauer zum nächsten kleinen Dorf durchschlagen. Im weiteren Verlauf des Weges treffe ich vier Jungs aus Brasilien, Mexiko und Amerika. Alle vier sind hier als Voluntiere an einer Schule als Lehrer für Englisch tätig. In einem der Dörfer ließen wir uns zum Mittag nieder. Das Huhn, dass wir bestellten wurde noch vor unseren Augen geschnappt und etwa 40min später in kleinen Stücken, inklusive Kopf und Krallen serviert. Irgendwann, kurz vor Xingping, passierten wir die Stelle, die auch auf dem 20 Yuan-Schein abgebildet ist.

Am nächsten Tag kam ich in den vollen Genuss einer etwa 55km langen Etappe (Blau) (wenn man den anschließenden Rundgang durch die Stadt mitzählt, waren es fast 70km). Die Tour war mit eine der schönsten während meiner gesamten Reise. Der offizielle Weg bestand eigentlich nur aus einer Betonpiste, die sicher zum Fahrradfahrern gut geeignet war, zum wandern eher nicht. Irgendwann entschloss ich mich deshalb einfach querfeldein zu laufen, instinktiv immer in Richtung Fluss und und zum Teil über die kleinen Feldwege. es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Außer vereinzelt einigen Einheimischen, traf ich keine Menschenseele. Endlich konnte die Landschaft in Ruhe genießen.

Am dritten Tag war die Sonne meine ständige Begleiterin auf einer Tour (Rot) durch die umliegenden Dörfer. Diesmal fand ich leider keine Feldwege und musste die Strecke auf einer der Betonpisten zurücklegen. Am Abend wollte ich eine der lokalen Spezialitäten ausprobieren: Hotpot. Ein kleines Lokal war schnell gefunden. Die Bedienung servierte das ganze leider etwas lustlos und wie ich später feststellen musste, war der Koch auch nicht wirklich der beste, denn die Suppe war mindestens schon ein bis zwei Stunden am köcheln gewesen. Ich hatte anfangs auch nur das Fleisch im Visier, denn es schmeckte irgendwie anders, leicht nach Rind, sah auch so aus, hatte aber merkwürdigerweise eine Schwarte. Die Bedienung meinte später auf Nachfrage, dass es Hund gewesen wäre und eine kurze Recherche im Netz ergab, dass es stimmte.

Am Abend zuvor war ich mit einer der Reisenden aus meinem Dorm ins Gespräch gekommen. Sie kam gerade aus Dazhai, wo es wunderschöne Reisterrassen gäbe, die man unbedingt gesehen haben muss. Das nächste Ziel lag damit fest.