Wuyuan befindet sich etwa 100km von Tunxi entfernt (die Stadt von der aus der Huang Shan in Angriff genommen wird). Meinem Plan sah vor, die Strecke in zwei Tagen zu Fuß zu bewältigen, was ich auch geschafft hätte (das große Gepäck wäre voraus geschickt worden). Leider wurde mir im Hostel meine Regenjacke gestohlen und da es die Folgetage regnen sollte, war der Plan wieder gestorben. Insgesamt hatte ich drei Tage für die Gegend eingeplant. Der Kreis Wuyuan ist für seine ursprünglichen Dörfer mit traditioneller Architektur bekannt.
Am ersten Tag gleich nach der Ankunft begab ich mich auf den Weg nach Klein LiKeng. ein Dorf, dass etwa 14km entfernt von der Stadt Wuyuan lag. Einen richtigen Wanderweg konnte ich nicht finden und die Einheimischen halfen mir auch nicht wirklich weiter und verwiesen mich stattdessen immer auf die Landstraße. Die meisten Einheimischen denken, dass man sich, vor allem als Ausländer, auf den kleinen Pfaden verläuft und alles sowieso zu weit ist, was weiter als 2 km entfernt ist. Also nehme ich die Landstraße. Zu Fuß. Jeder zweite Wagen hält an und will mich mitnehmen, da die Strecke ja, wie gesagt, so weit und nicht zu schaffen wäre. Die restlichen Auto- und Motorradfahren glotzen nur „Ein verrückter Laowei…“. Erst hier merke ich, dass ich von Tunxi nach Wuyuan wahrscheinlich ebenfalls auf der Landstraße unterwegs gewesen wäre. Es ist nicht wirklich angenehm zu laufen, da man ständig aufpassen muss, wie die entgegenkommenden Autos auf überholenden Gegenverkehr im eigenen Rücken reagieren. Es war vielleicht doch ganz gut, dass ich die 100 km Tour vom Plan gestrichen hatte.
Klein LiKeng wird, wie mittlerweile fast jedes touristisch erschlossene Dorf, von einer Firma verwaltet, die die Eintrittsgelder kassiert und den Dorfbewohnern im Gegenzug erlaubt, Schnickschnack an die Touristen zu verkaufen. Da es der selbe Schund ist, wie man ihn überall im ganz China kaufen kann, wird wahrscheinlich der Firmengründer mittlerweise ein ziemlich reicher Mann sein. Das Dorf ist, wenn nicht viele Touristen die Gassen bevölkern, recht idyllisch an einem kleinen Bach gelegen. Das Leben scheint, ungeachtet der Besucher, weiter seinen normalen Gang zu gehen. Große Umbauarbeiten am Dorfrand lassen erahnen, das hier schon für den Andrang am 01.10., dem Nationalfeiertag vorgesorgt werden soll. Dann nämlich haben in ganz China fast alle Menschen Urlaub und nutzen die Gelegenheit alle gleichzeitig im Land umher zu reisen…
Zurück in Wuyuan, sprach mich ein Junge in gebrochenem Englisch an. Er wolle unbedingt mein Freund werden und mich am nächsten Tag überall hinfahren, wohin ich auch wollte. Leider hätte er aber im Moment kein Auto, aber auf meinem Zimmer könnte er eines im Internet besorgen. Ähm… Ne lass mal, meinte ich. Leider ließ er nicht locker und folgte mir unangenehmerweise bis ins Hostel, wo mir glücklicherweise zwei Chinesinnen halfen ihn wieder los zu werden. Sein Englisch und mein Chinesisch waren zu schlecht, als dass ich in Erfahrung bringen konnte, was er eigentlich wollte. Auch die zwei Mädels konnten es mir nicht erklären. Ich ging aber davon aus, dass er mich vielleicht ausrauben wollte (?), da er zum Schluss doch leicht aggressiv wurde.
Den zwei Mädels schließe ich mich am nächsten Tag an. Es geht nach Sikouzhen und weiter nach Groß LiKeng. Von dort, so mein Plan, würde ich zu Fuß zum 20km entfernten WoLongGu laufen. Auf dem Weg nach Groß LiKeng wollten wir in Qinghuazheng in einen Privatbus umsteigen und lernen dabei ein Pärchen kennen, das den selben Weg hatte. Zusammen konnten wir/ eigentlich sie einen guten Preis beim Fahrer aushandeln. Es stellte sich schnell heraus, dass er zufällig auch in Groß LiKeng wohnte, denn er bot uns einen sehr günstigen Preis an, für den er uns ins Dorf schleusen könne. Auch hier muss für das Dorf eigentlich Eintritt bezahlt werden. Natürlich hatte er auch rein zufällig eine Unterkunft für uns. Dazu muss ich sagen, dass meine Begleiter ein gutes Händchen beim Handeln hatten. Sie konnten ihn von 75RMB auf 25 RMB pro Person und Zimmer runter handeln.
Nach der Ankunft, erkundete ich noch ein wenig die umliegenden Hänge und machte mir ein Bild vom Dorfleben.
Am Abend erzählte mir unser Fahrer, dass der Weg nach WoLongGu viel zu weit und viel zu gefährlich wäre. Dort draußen gäbe es keine Menschenseele und die Pfade wären nicht eindeutig, schon gar nicht gekennzeichnet. Man könne sich schnell verlaufen. Außerdem würde es dort wilde Bären geben. Aber, so versicherte er mir, er kenne jemanden, der mich sicher ans Ziel führen könnte. Natürlich gegen Bezahlung. Und rein zufällig war derjenige sein Bruder… Ich lehnte dankend ab und erkläre ihm, dass ich erstens einen Kompass hatte und mich nicht fürchte. Ich musste mir daraufhin und auf Grund dieses Statements noch eine Weile die Geschichte mit den Bären anhören.
Am nächsten Morgen wollte ich aufbrechen. Leider regnete es in Strömen, so das der Weg, laut seiner Aussage teilweise unbegehbar wurde. Diesmal glaubte ich ihm auch. Also lang es nahe, dass wir uns auf den Weg nach JingdeZhen machten, der Porzellan-Stadt in China schlecht hin. Die Mädels hatten mich eingeladen, bei ihren Bekannten, einigen Studenten zu übernachten. In JingdeZhen wurde schon 200 v.Chr. das berühmte chinesische Porzellan hergestellt. Seit dem Jahr 1004 wurde es nur noch an den Kaiser geliefert. In der heutigen Zeit sind die alten Öfen nicht mehr, dafür aber um so mehr neue. Scheinbar an jeder Straßenecke abseits des Zentrums werden Krüge, Töpfe, Vasen und allerlei Schnickschnack, bemalt oder unbemalt, in kleinen, fast wie Garagen anmutenden Werkstätten in Massen produziert. Manchmal sogar mit sehr hoher Qualität. Während die Jungs, bei denen ich untergekommen war, das Abendessen kochen, sah ich mich in einem der kleinen Ateliers gegenüber um. Einige Studenten produzierten dort unter anderem für den deutschen Markt Tassen und vieles andere mehr.
Das Abendessen war wirklich gut und vor allem viel. Danach wurde ich in die Kunst der chinesischen Kalligrafie und des Kungfu, inklusive Kampfsportvorführung, eingeführt.
Am nächsten Morgen in aller Frühe, musste ich leider die Jungs schon wieder verlassen. Mein Zug nach Guilin fuhr um ca. 10 Uhr ab. Ich wäre gern noch etwas länger hier geblieben, leider musste das Ticket aber schon 1 1/2 Wochen vorher gebucht werden, ansonst hätte ich keinen Schlafplatz mehr bekommen. In China kann man nämlich sein Zugticket erst 10 oder 14 Tage vor der Fahrt die Tickets freigegeben. Wer dann nicht rechtzeitig kauft, bekommt nur noch Reste, z.b. Stehplätze oder gar keinen Platz mehr. Deshalb konnte ich das Ticket auch nicht mehr umtauschen – mir blieben ja auch nur noch etwa 1 1/2 Wochen Resturlaub…