Laut einschlägigen Buchungsportalen im Netz gab es keine günstigen Unterkünfte in der Stadt. Nur der Lonley Planet empfahl ein recht preisgünstiges. Da sich der Abend langsam dem Ende neigte und es etwas spät geworden war, entschließe ich mich dort einzumieten. Der Besitzer, ein schmierigfreundlicher Typ bot mit ein kleines Zimmer für 240 RMB (etwa 25 Euro) – „mit Dusche, schau nur, sie funktioniert sogar!“ – was in etwa ein fünftel eines chinesischen Einkommens auf dem Land entsprach. Mit zähem Handeln konnte ihn dazu bewegen, mir das Zimmer für 80 RMB (9 Euro) zu überlassen. Was immer noch viel zu viel war. Aber egal, ich bin müde. Die Fahrt war trotz der vielen neuen Bekanntschaften, die ich während der Zugfahrt machen durfte, ziemlich anstrengend.
Am nächsten Morgen nahm ich den Westweg hinauf zum Taishan. Ich mühte mich regelrecht ab, da mir die Hochzeitsvöllerei zusätzliches Gewicht beschert hatte. Bis zum Gipfel watete ich durch ein Nebelmeer. Leider verpasste ich dadurch den Abstieg über den Westweg. Als ich mich entschloss den Weg, den ich mich hoch gequält hatte, wieder abzusteigen, riss doch noch die Wolkendecke auf und gab eine großartige Felslandschaft frei. Also blieb ich noch in Weilchen länger oben.
Am Abend schlenderte ich durch nahe gelegenen Gassen. Viel zu sehen gab es leider nicht, wenn man von dem, großen Tempelkomplex „Diao Miao“ absah, der sich gegenüber meines Hotel befand.