Nach unser Nacht auf 4.130m ging es zurück nach Tambopaxi. Dort stärkten wir uns mit einem großen Frühstück, bevor wir und zur Erkundung der Situation am Cotopaxi aufbrachen. Ich fühlte mich topfit und „rannte“ die 300 Höhenmeter vom Parkplatz zur Hütte in 30min hinauf. Das Wetter zeigte sich von seine besten Seite, freie Sicht auf den Berg und weit darüber hinaus – sogar bis zum etwa 70km entfernten Quito. Daniel hatte mittlerweile sein Zweifel, dass er den Cotopaxi schaffen könnte, wollte es aber am nächsten Tag allein versuchen. Deshalb einigte ich mich mit ihm, dass ich es am nächsten Tag ebenfalls allein, aber mit eigenem Guide versuchen wollte. In der José Ribas Hütte hatten sich an diesem Tag die letzten Mannschaften zur Ersteigung des Cotopaxi versammelt, so dass ich für mich noch schnell einen Guide für den nächsten Tag ausfindig machen und engagieren konnte.

Da die José Ribas Hütte auf 4.800m, die eigentlich immer als ideales Basislager diente, am nächsten Tag wegen Renovierung geschlossen wurde, blieb uns nichts anderes übrig, als alles, Zelt, Verpflegung (unter anderem 5 Liter Wasser) und die Ausrüstung zum Bergsteigen selbst mit nach oben zu schleppen. Mit 20kg auf dem Rücken, benötigten wir schätzungsweise etwas mehr als anderthalb Stunden, um die 300m vom Parkplatz auf 4550m mit schätzungsweise auf 4850m zum Zeltplatz zu gelangen. Nach dem unser Zelt stand, ging es gleich zum Steigeisen-Training an den Gletscher auf 5.000m und im Anschluss an die Vorbereitungen, sofort in den Schlafsack, wo ich die restliche Zeit bis zur Ankunft des Guide nur vor mich hin dösen konnte.
Gegen 00:00 kam mein Guide, um 00:20 Uhr brachen wir zum Gipfel auf. Alles lief glatt. Das Wetter, stabil, wie im Bilderbuch. Wir kamen sogar recht schnell voran, denn gegen 03:00 befanden wir uns schon auf 5.400m, der Hälfte der Strecke bis zum Gipfel auf 5.897m. Es gab aber dennoch viele Gründe, die mich an dieser Stelle bewegt hatten, umzukehren. Auch mein Guide wunderte sich über meine Bitte, aber ich spürte, dass ich nur noch Kraft für den Abstieg hatte – Sicherheit geht vor, so mein Gedanke. Die Höhe hatte ich jedenfalls sehr gut vertragen, noch nicht einmal Kopfweh stellte sich ein. Ich fühlte mich in dem Moment absolut am Ende meine Kräfte. Zuletzt wurden die Zeiten zwischen den Pausen immer kürzer und kürzer. Erst nach 30min, später 5min, zuletzt nach jeden zweiten Schritt musste ich innehalten.
Im Nachhinein hätte ich einen Ruhetag vor der Besteigung einlegen sollen, aber für den nächsten Tag und die darauffolgenden Tage war schlechtes Wetter angesagt, weshalb wir uns entschlossen, die Besteigung um einen Tag vorzuziehen. Die Anstrengungen beim Aufstieg mit dem Gepäck und die Tage davor, in denen ich mich noch nicht von der erst schlaflosen und geschwächten Tagen erholt hatte, trugen wohl ebenfalls zu diesem Erschöpfungszustand bei.
Nun ja, den Entschluss hatte ich bisher nicht bereut. Wären die Vorbedingungen ein klein wenig besser gewesen, hätte ich es mit dem Guide in schätzungsweise 5-6h bis zum Gipfel geschafft. Denn technisch war diese Besteigung nicht weiter schwierig. Und vielleicht gibt es ja irgendwann ein Wiedersehen…

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