Im Dorm begegne ich John aus Malaysia und Pamela aus Hangzhou. Beide luden mich sofort ein, mit in die Stadt zu gehen, um eine Kleinigkeit zu essen. Eine gute Gelegenheit, einige regionale Spezialitäten zu probieren. John zeigte mir später noch den Frischmarkt, auf dem sich eigentlich alles Essbare besorgen lässt. Enten, Hühner, Gänse, Bambusratten, Katzen, Hasen, Fische und anderes Kleingetier konnte direkt vor Ort begutachtet und zur Schlachtung freigegeben werden. In einer kleinen Garküche am Straßenrand, direkt gegenüber des Marktes wurden drei verschiedene Arten von Jiaozi angeboten; Wolken-Joaozi, gedämpfte und Suppen-Jiaozi. Hier ließen wir uns nieder. Die Jiaozi waren so gut, dass ich die letzten zwei Tage jeden Morgen auf meine eigentlich auch sehr leckeren Baozi vom Baozi-Mann um die Ecke verzichtete und stattdessen immer in dieser kleinen Küche einkehrte. Der Frischmarkt hatte aber noch mehr zu bieten und es war jeden Tag interessant, von diesem Standort aus zu zuschauen, wie Händler wie Kunden agierten. Ein ständiges Gefeilsche um den Preis. Argumente wurden ausgetauscht. Die Ware mehrfach geprüft. Aus westlicher Sicht recht ungewöhnlich zu beobachten war, wie hier Tiere auf das reduziert wurden, was sie für beide Seiten eigentlich darstellten, Ware. Ware die sich zufällig noch bewegte. Da wurden unter Protest das Geflügels, die wichtigsten Stellen am Körper auf den Fleischbestand hin untersucht. Geschlachtet wurde vor Ort. Kehle durch, ausbluten, mit heißem Wasser die Federn entfernt, die widerspenstigen Reste per Hand gerupft, gesäubert, fertig. Circa 10 min später konnte der Kunde die fertige Ware abholen. Es sein denn, er nahm sie gleich lebend mit. Neben den größeren Ständen mit den Tieren wurde natürlich auch alle möglichen Gewürze, Gemüse und Obst verkauft. Besonders lecker waren die riesigen, grünen Grapefruit und die ebenfalls grünen Mandarinen.

Am 30.09. diesen Jahres fand das Mondfest statt. Traditionell wird an diesem Tag der Mondkuchen verschenkt. Ein Kuchen, etwa Handtellergroß, manchmal auch kleiner, mit verschieden Füllungen. Ähnlich wie bei uns mir den Weihnachtsspekulatius, liegen sie Kisten oder einzeln abgepackt schon anderthalb Monate vor dem Stichtag in fast jeden Laden aus. Wer etwas auf sich hält, kauft eine der ganz großen und besonders teuren. Das macht natürlich Eindruck bei der Verwandtschaft. Verschiedene Füllungen stehen zur Auswahl; Lotus mit Ei, Mandel-Früchte-Mischung, Fleisch und einige, die ich nicht definieren konnte. Jedenfalls schmeckte einer leckerer als der andere (Fleisch hatte ich nicht probiert), weshalb ich mir auf meiner Reise mindestens jeden dritten Tag einen gönnte.

Vor meiner Rückreise nach Deutschland standen mir insgesamt noch zwei Tage zur Verfügung, um mich in der Stadt oder Umgebung ein wenig um zu schauen. Eigentlich Zeit genug, um mehrere Wanderung zu unternehmen. Viel besser war es aber, sich bei über 30 Grad in die Sonne zu legen oder sich in den kleinen Gassen kulinarisch verwöhnen zu lassen. Auf Empfehlung wanderte ich noch zu einer außerhalb von Guilin gelegenen Tropfsteinhöhle. Diese entpuppte sich als teilweise sehr grell ausgeleuchtete Erlebniswelt. Teuer im Eintritt dazu. Gerade im Bau befindlich, war eine kleine Einschienenbahn, mit der man sich von nahegelegenen Parkplatz (vielleicht 300m entfernt) bis fast vor den Eingang chauffieren lassen konnte. Kein Wunder, dass der Eintritt jedes Jahr um mehrere Yuan stieg und auch in Zukunft noch steigen wird. Stellvertretend für solche Geldwerten Anlagen kann auch der der Elefantenfelsen im Stadtzentrum von Guilin als Beispiel angeführt werden. Aus wirtschaftlicher Sicht wurde hier perfekt gehandelt. Rund um den Felsen wurden hohe, sehr dicht stehende Bäume gepflanzt und Kassen installiert. Man konnte also ohne Eintritt zu zahlen, den Felsen nicht sehen. Und es ist wirklich einfach nur ein oller Felsen, der zufällig auf Grund hoher Erosion an einer Stelle ein Loch aufweist und mit etwas Fantasie, aussieht wie ein Elefant. Naja, den Eintritt hatte ich stattdessen in Speis und Trank umgesetzt und mir Bilder vom Felsen im Internet angeschaut. Auch schön.