Es liegen wieder einmal 18 Stunden Zugfahrt im Hardsleeper hinter mir und wie jedes Mal, wusste nach 10 Minuten jeder im Zugwagon, dass ein Ausländer mit an Board war. Nach den üblichen Fragen nach dem Woher, Wohin, Verdienst, Alter, Beziehungsstatus usw. wussten sogar die im Nachbarwagon Bescheid und kamen des Öfteren auf ein kurzes Schwätzchen vorbei. Das war meist ganz nett. Man wollte natürlich gleich Freundschaft schließen, Telefonnummern austauschen – als Ausländer ist man meistens immer noch in manchen Gegenden etwas „besonderes“ und Telefonnummern von Ausländern geben eine gute Basis zum „angeben“ vor Verwandten und Bekannten. In solchen Situationen fühle ich mich ab und zu ein klein wenig wie ein Zootier.
Da es naturbedingt ein paar Verständigungsprobleme gab, sprach man später eher über mich, als mit mir. Es war interessant zu hören, was man alles so über die Deutschen zu erzählen wusste. Ziemlich schnell kam man auch auf die Amerikaner und Japaner zu sprechen. Ich könne ja froh sein, nicht aus einem der Länder zu kommen, ansonsten hätte man mir bestimmt schon etwas angetan. Besonders die Japaner wären die schlimmsten. Böse Menschen, die einfach so Inseln stehlen und damals hatten sie doch bei Nanjing…
So ging man sich stundenlang in Diskussionen um verschiedene Staaten und deren je nach dem guten oder „bösen“ Bewohnern. Man vergas natürlich zwischendurch nicht die die Deutschen in den Himmel zu loben und zu preisen.
Nach überstandener Fahrt zeigte sich Guilin von seiner verregneten Seite. Mein Spaziergang durch die Stadt ohne Jacke, fiel etwas kürzer aus als geplant. Guilin fungierte vorerst auch nur als kurzer Zwischenstop. In ein paar Tagen wollte ich zurückkehren und mir etwas mehr Zeit für die Stadt und Umgebung nehmen.