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In Chengdu, hatte ich noch einen Tag Zeit, um mich noch etwas umzuschauen. Am Morgen ging es deshalb mit einer vom Hostel organisierten Gruppe in die Panda-Aufzuchtsstation. Es ist eine der wenigen auf der Welt, in der es den Mitarbeitern gelungen ist, Pandas in Gefangenschaft zu züchten. Nach der Panda-Tour nahm ich den Bus in die Innenstadt von Chengdu um mir einen Tempel anzuschauen und etwas zu flanieren.

Die Fahrt nach Kunming:
Ich hatte mich am Dienstag entschlossen, am Sonntag (13.02.) mit dem Zug in der Hartsitzer-Klasse von Chengdu nach Kunming zu fahren.

Gleich zu Beginn: nie wieder Hartsitzer über so eine Strecke und schon gar nicht über Nacht oder am Sonntag!!!

Am Vorabend wurde ich in Chengdu von ein paar Franzosen (einen, Luis hatte ich Beijing kennengelernt und jetzt zufällig dort wieder getroffen) noch in eine grellbunte Edel-Disko mitgeschleppt. Es ging noch recht fröhlich und lang mit Dancen und Trinkspielen zur Sache. An Schlaf konnte ich fast nicht mehr denken. Zum Glück hatte ich mich in Sachen Alkohol sehr zurück genommen, so das sich der nächste Tag „nicht ganz so schlimm“ gestaltete.

Die Hartsitzer-Plätze sind in China die Holzklasse, billiger sind nur noch Stehplätze (der Schaffner kontrollierte mich mindestens 4 mal, ob ich auch wirklich in die Holzklasse wollte). Da am Sonntag anscheinend wie bei uns die Pendler und Wanderarbeiter unterwegs waren, bildete sich ein eklatanter Platzmangel. Überall wo ein kleines Plätzchen zu ergattern war, machten es sich die Leute bequem. Einige standen, lagen oder hatten kleine Klappsitze dabei, auf die sie sich setzen konnten. Trotz Hinweis-Verbotsschildern wurde fast durchweg Zigarette gequalmt. Alle halbe Stunde drängelte sich einer vom Zugpersonal durch die Gänge, um irgendetwas zu verkaufen – angefangen vom kitschigen Anhänger, über Zahnpaste, die Raucherzähne wieder weiss machen soll und allerlei Essbares, wie Früchte oder Kekse. Sogar zwei Jungs die eine Art fahrbaren Essenwagen mit warmen Nudel- oder Reis-Gerichten zogen, schafften es immer wieder, sich durch die Massen zu kämpfen.

Das wäre alles nicht so schlimm gewesen, eigentlich sogar ganz in Ordnung, wenn nicht nach zwei Stationen, drei etwas angeheiterte Typen, die im Laufe der Fahrt immer betrunkener wurden, direkt neben mir Platz fanden. Einer schaffte es später im reichlich angetrunkenen Zustand sich mit dem wenig zimperlich zugreifenden Zugpersonal anzulegen. Nach einem Feuerlöscher-Einsatz, konnte der mittlerweile schon fast randalierende, angetrunkene Herr dann etwas weiss-bestaubt festgenommen werden. Zum Glück hatte das Personal ihn schon zu diesem Zeitpunkt in ein anderes Abteil abgedrängt. Ich kann davon nur berichten, da wenig später alle Beteiligten weiss-bestaubt an mir vorbei liefen, inklusive leerem Feuerlöscher, den einer der Angestellten hinterher schleppte. Seine beiden Kumpel hatten sich am Gerangel nicht beteiligt, lachten sich aber nur schlapp über ihren Kollegen und blieben wo sie waren – bei mir.

Auf Grund dessen und meiner vielleicht nicht ganz unbegründeten Befürchtung, mir könnte einer der zwei Übriggebliebenen mein Zeug klauen, konnte ich den Rest der Fahrt nicht mehr schlafen und kam deshalb auch völlig übermüdet am nächsten Morgen um 08:00 Uhr in Kunming an.
Kunming kann ich nur als die dreckigste Stadt, die ich bisher sehen und atmen musste, bezeichnen. Die Abgase sind hier allgegenwärtig und schon fast materiell fühlbar. Für mich kaum zum Aushalten. Es ist gut möglich, dass ich durch den eklatanten Schlafmangel etwas sensibler darauf reagierte und vielleicht deshalb schon nach einer Stunde das dringende Bedürfnis hatte, von hier so schnell wie möglich wieder zu verschwinden. Es gibt zwar einige sehr interessante und schöne Sehenswürdigkeiten rings um Kunming, doch die Anfahrt erwies sich meist als etwas kompliziert und zeitaufwendiger als gedacht, vor allem, wenn diese etwas weiter weg gelegen waren. Deshalb stand am Abend fest, gleich am nächsten Morgen sollte es nach Dali weiter gehen.
Ich lieh mir ein Fahrrad im Hostel und fuhr zum 10km entfernt liegenden DianChi-See. Da mir die Müdigkeit immer noch in den Knochen steckte und das Wetter auch nicht so besonders geeignet für eine Umrundung des Sees war, fuhr ich nur bis zur Seilbahn und wenig später wieder zurück nach Kunming-Stadt.

Etwas Gutes konnte ich nach dem Rundgang durch die Stadt noch finden – die „Über-die-Brücke-Nudeln“. Ein Gericht, bestehend aus mehreren Teilen. Serviert wird eine grosse Schüssel mit heiser Brühe. Ein Angestellter des Restaurants gibt dann mehre Zutaten in die Schüssel – z.b. hauchzart geschnittenes Rindfleisch, Gemüse, dass ich nicht identifizieren konnte, Ingwer, ein Wachtelei. Da ich die mittelgroße Variante bestellt hatte, gab es noch weitere Zutaten, die ich nach Belieben selbst beifügen konnte – z.b. Gemüse, getrocknetes Fleisch usw. – Das Ganze ist wirklich sehr sehr lecker und jedem China-Reisenden wärmstens zu empfehlen.