Alles muss raus!

EmeiShan und Stufen Stufen Stufen Stufen Stufen Stufen Stufen und Stufen

Stufen, Stufen, Stufen sind das erst was mir zum EmaiShan einfällt, sollte man mich fragen. In meinem ganzen bisherigen kurzen Leben hatte ich noch nie so viele Stufen auf einmal gesehen. Unglaublich, es müssen mehrere 100.000 oder Millionen sein. Vom Tal an bis zum Gipfel, Stufen. Bergauf, bergab, Stufen. Nur ganz selten mal eine gerade Strecke, auf der man seinen Beine etwas Ruhe gönnen kann. Der gesamte Weg erstreckt sich laut meiner Karte über etwa 50km. Dabei muss man an die 2450 Höhenmeter überwinden. Viele Reiseführer und auch die Leute im Hostel schlagen 3 Tage für Aufstieg und Abstieg (den Abstieg mit Bus) vor. Torstens Bekannter Bruce hatte es an einem Tag hoch und an einem wieder runter geschafft – er hatte wohl auch schon den K2 bezwungen… Vorgenommen hatte ich mir eigentlich auch 3 Tage, schlussendlich brauchte ich ebenfalls nur zwei – gerade bin ich zurück…

Um 07:00Uhr stehe ich auf und da Andys Wohnung etwas weiter vom Hostel entfernt liegt, muss ich mich zu Fuss auf den Weg zum Hostel machen. Eine halbe Stunde dauert der Marsch. Auf dem Weg versuche ich noch einen Bus anzuhalten, dieser gibt aber im letzten Augenblick wieder Gas (Laowei). Im Hostel hatte ich am Vortag noch eine kleine Marschverpflegung geordert, die aber nur zur Hälfte bereit liegt. Der Nachtwächter kann mir leider auch nicht helfen. Nun denn, im Gepäck habe ich eigentlich zwei volle Tagesrationen und zur Not könnte ich mir am Berg noch einiges kaufen.

Die Strecke beginnt eigentlich ganz angenehm, bis die ersten Stufen kommen. Anfangs denkt man noch, naja, die werden schon irgendwann wieder in einen normalen Wanderweg übergehen, aber weit gefehlt, so geht’s noch bis zum Gipfel weiter und wieder runter. Bis in etwa 1500m Höhe laufe, bzw. steige ich im subtropischen Teil des Berges. Überall wird Bambus angebaut – zum größten Teil wahrscheinlich nur, um den Touristen eine Waffe in die Hand geben zu können. Denn es gibt auf der Strecke zahlreiche Affen-Kolonien, vor deren Bewohnern man sich in Acht nehmen sollte. Ein Stock könnte angeblich beim Vertreiben eine ganz gute Hilfe sein. Jedenfalls wird an jedem kleineren Büdchen versucht, eine regelrechte Affenphobie zu entwickeln – „Kaufen sie sich einen Stock gegen die Affen, die sind gefährlich!!“. Weiter oben, jeweils vor den deutlich markierten Affengebieten, kann man sich zusätzlich zum schon zugelegten Bambusstock noch etwas Futter für die Affen kaufen – also erst füttern, dann schlagen wenn sie zu nahe kommen sollten (Zuckerbrot und Peitsche). Die Affen scheinen mir eigentlich ziemlich friedlich, es sei denn man ärgert oder provoziert sie. Der Erste dem ich begegne hatte sich gerade vor einer Meute Chinesen mit großen Fotoapparaten auf einen tieferen Ast geflüchtet und versuchte nun durch Drohgebärden seinem schlechten Ruf alle Ehre zu machen.

Büdchen gibt es hier am Berg jede Menge. Ich fühle mich ein wenig an Dortmund erinnert. Jeder etwas größere Treppenabsatz scheint hier direkt von einem Büdchen-Betreiber okkupiert worden zu sein. Es gibt überall und in jeder Höhenlage neben den obligatorischen Bambusstöcken etwas zu essen und zu trinken, meist Doufu, aber auch Nudeln oder sogar Baozi. Was ebenfalls nicht fehlen darf, ist der Fernseher. Unglaublich aber war, laut LonleyPlanet soll es sogar auf etwa 1700m ein Internet-Kaffee geben. Man muss dazu sagen, dass es auf dem Weg wirklich nur Wald, Abgrund, Treppen und Büdchen gibt (und Tempel). Wenn es denn ein Internet-Kaffee sein soll, sieht es jedenfalls nicht anders aus wie andere Büdchen – etwas windschief aber ok – ich war jedenfalls vorbei gelaufen, ohne es zu bemerken. Wenig später treffe ich noch einige Träger mit riesigen Lasten auf dem Rücken, irgendwie muss ja alles auf den Berg. Es gibt sogar einige Pferde-Treiber, die mit vollgepackten Pferden die Stufen bewältigen.

Der von mir gekaufte Bambusstock sollte mir im Laufe der Tour noch gute Dienste erweisen. Nicht beim Affenvertreiben, sondern eher als Gehhilfe, eine Art Nordic-Working-Stock. Zu mindestens konnte ich mir damit einiges an Kraft aus den Beinen nehmen. Trotzdem wurde die gesamte Tour noch ganz schön anstrengend.

Insgesamt steige ich nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam auf und komme, trotz vieler kleiner Pausen gut voran. Bei einigen Tempeln/Klöstern raste ich etwas länger. Es ist immer wieder erstaunlich, was die Mönchen damals geleistet haben müssen, auch heute noch. In einigen Klöstern oder Tempeln stehen teilweise 3-4m hohe Buddha-Statuen und einige Kloster-Anlagen sind auch nicht gerade klein.

Durch eine Verwechslung verpasse ich irgendwie mein eigentliches Tagesziel den Tempel „Elephant Bathing Pool“ auf 2070m. Gegen 17:20Uhr erreiche ich deshalb überrascht die Seilbahn-Station, die sich etwa 5km Weg unterhalb des Gipfels befindet. Theoretisch hätte ich noch den letzten Weg bis zum Gipfel auf mich nehmen können, war mir aber nicht sicher, ob dort überhaupt noch eine Unterkunft geöffnet hat oder ob es dort überhaupt welche gibt. Deshalb quartiere ich mich in der Jieyin-Hall ein. Während ich noch mühsam über den Preis verhandele und mir die Zimmer zeigen lasse, schliesst die Küche um 18:00Uhr. Nur mit etwas Glück bekomme ich bei einem Nudelhändler neben der Seilbahn noch einen grossen Pott Nudeln zu kaufen, bevor auch dieser seinen Laden für diesen Tag dicht macht.

Das Zimmer in der Unterkunft ist sehr gross, hat aber keine Heizung, geschweige denn eine Dusche. Dafür gibt es eine Schüssel mit warmen Wasser zum Waschen. Da sich unter dem Zimmer die ganzjährig geöffnete Halle mit Buddha-Statue befindet, ist es dem entsprechend kalt (geschätzte -15Grad). Zum Glück finde ich eine Heizdecke und ich mache das mir einzig mögliche, ins Bett gehen.

Am nächsten Morgen, es hatte in der Nacht heftig geschneit, geht’s hinauf zum Gipfel. In Begleitung einiger Chinesen im „Stiefelchen und Kompasskalle-Look“ (Absatzstiefel, Tüllkleidchen, dünnen Turn- oder Lederschuhe und dem obligatorischen iPhone). Oben angekommen, konnte ich einen herrlich, fast undurchsichtigen Nebel bewundern. Fast nichts war zu sehen, alles war in eine dicke Watteschicht eingehüllt. Ich nehme mir trotzdem etwas Zeit um die Tempel zu besuchen. Normalerweise kann man am später Nachmittag ein Phänomen bewundern, weswegen sich noch vor einigen Jahren einige sehr religiöse Menschen vom Berg gestürzt hatten. Durch bestimmte Lichtverhältnisse und etwas Luftfeuchtigkeit, entsteht um den eigenen Schatten der sogenannte „Buddhas Glorienschein“. Es ist schwer zu beschreiben, deshalb hier ein Link zu einem Bild der es besser erklärt:Das Bild An diesem Tag konnte man diese Wettererscheinung jedenfalls nicht mehr beobachten.

Beim Abstieg verpasse ich wieder eine Abzweigung (ab und zu schlechte Ausschilderungen) und nehme den etwas unspektakulären und längeren Abstieg zurück nach Baoguo (Emei). Für das einzige Highlight auf diesem Weg, den Wannian Tempel nahm ich mir noch einmal 1 1/2 Stunden Zeit. Danach musste ich mich sputen, zum Glück ging es weitestgehend bergab und zwei Stunden spaeter war ich wieder im Hostel, wo ich mir eine ausgiebige Dusche und eine grosse Portion Hot-Pot gönnte.

Leider ging mir beim Aufstieg, unterhalb des Gipfels der Akku flöten (leer). Anscheinend hatte das Ladegerät in Chengdu keinen richtigen Kontakt bekommen. Ich konnte ab da nur noch mit Handy fotografieren.